Epilog: Gerda

Die Wirklichkeit

Hauptperson, Singulär

Eine Insel, eine Insel im Meer. Ein Haus, ein Stall wohl eher. Die Tür hängt schief in den Angeln, baufällig. Ein Stall auf einem Hügel, ein Hügel im Wiesenmeer. Die Wiesen unter Wasser, Wasser bis zum Horizont, aber ein Meer ist das nicht.

Gegenüber: der Fluss, ein Jauchestrom. Die Uferstraße, komplett überflutet. Dann der Wald, der Berghang, Gerda weiß jetzt, wo sie ist: auf der anderen Seite.

Der Wald zieht sich am Flusslauf bis zur Hochstraße hin. Zu hören ist nichts, aber mit angestrengtem Blick kann Gerda flussabwärts im Dunstschleier das Hin und Her der Lichter erkennen. Also ist sie nicht weit vom Koppelberg. Sie müsste den Fluss überqueren, dann durch den Wald, den Berg hinauf, den Kammweg zurück zum Koppelberg, herausfinden, was mit Lotta geschehen ist. Aber daran ist jetzt nicht zu denken, Gerda kann nicht schwimmen, sie kommt nicht über den Fluss.

Es hilft nichts: die Wahrheit muss warten. Vielleicht kommt ein Boot, vielleicht Lotta, Lotta lebendig, alles ein Irtum. Gerda weiß doch gar nichts. Und solange sie nichts weiß, darf sie hoffen. Warten bis das Wasser abgelaufen ist. Dann einen Weg finden, über den Fluss oder auf dieser Seite zurück in die Stadt. Bis dahin Kraft schöpfen, dass sie die Wahrheit ertragen kann. Etwas tun, gegen die Kälte, brrr, ist das kalt.