Epilog: Gerda
Hauptperson, Singulär
Ein Klopfen, ein heiseres Husten, jemand ist im Stall. »Hallo, ist da wer?« Gerda nähert sich vorsichtig der Tür. »Hallo.« Es riecht nach Heu und, der Geruch ist unverkennbar, nach Esel. Sie duckt sich an der hängenden Tür vorbei. In dem Raum ist es dunkel, aber sie kann ihn dort sehen, an der linken Seite, in einem Verschlag hinter einer weiß-rot gestreiften Holzlatte. Ach, der Arme. »Wer hat dich denn hier vergessen?« Es gelingt ihr, die Tür aus der verbliebenen oberen Angel zu heben und nach draußen zu befördern, an die Stallwand zu lehnen. Die Tür ist schwer, aber Gerda ist groß und stark. Jetzt kommt mehr Licht herein.
Oh, wie schön. Ein Esel. Ein alter Esel, aber ein schöner Esel. Gerda kann sich im Augenblick nichts schöneres vorstellen. Jetzt ist sie nicht mehr allein. Sie spürt die Wärme, die von dem Tier ausgeht. Die Futterraufe ist leer, der Wassertrog ebenso. Irgendwo muss hier Heu gelagert sein, das riecht man, aber das Futter kann warten. Vor allem braucht der Esel Wasser, sauberes Trinkwasser. Gerda nimmt einen leeren Eimer mit nach draußen, schaut sich um. Der Fluss ist eine braune Kloake. Auf der Wiesenseite sieht es besser aus, wenigstens ist das Wasser hier klar, man kann das Gras darunter sehen, aber ihr fällt etwas Besseres ins Auge, links hinten am Stall: die Regentonne.
Gerda mustert den Stall von außen. Die Baufälligkeit war nur geheuchelt, die hängende Tür. Ansonsten ist der Bau in gutem Zustand. Die Regenrinne, das Fallrohr, der Anschluss. Regen war ja in letzter Zeit genug. Sie hebt den schweren Deckel, die Regentonne ist voll. Gerda füllt den Eimer, trägt das Wasser in den Stall und gießt es in den Trog. Sofort beginnt der Esel zu saufen. - Was der Esel säuft, kann der Mensch trinken, ein gutes Zeichen.
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