Epilog: Gerda

Das Tier ist versorgt

Hauptperson, Singulär

Jetzt kommt der Mensch. Gerda schaut sich um. Was sie sieht, lässt ihr Herz höher schlagen. Das Ganze sieht weniger nach Eselstall aus, als vielmehr nach einem gut sortierten Krämerladen.

Hinter der Futterraufe ein Stapel Rundhölzer, angespitzt, Zaunpfähle. Rechts oben eine große Rolle verzinkter Stacheldraht, grün ummantelter Spanndraht, Werkzeug, Schaufel, Spaten, Harke, Mistgabel, ein Straßenbesen, Stemmeisen, Axt, eine große Bügelsäge, Angelzeug, Plastikeimer, Hochkant auf dem Boden vier Bürgersteigplatten aus Beton. Und vor allem, vor allem, oh Freude, trockene Kleidung. Ein grünkariertes Holzfällerhemd, eine blaue Latzhose, eine gelbe Regenjacke, ein Paar gelbe Gummistiefel. Wie schön, wie schön!

Rechts an der Wand ein großes Regal voller Kisten und Kästen, das oberste Brett bis zur Mitte des Raumes vorgezogen. Ah, da könnte das Heu lagern, eine Art Heuboden. Eine Trittleiter ist auch da. Gerda zieht die Luft ein, der Heugeruch überwiegt alles, dann der Esel, außerdem ein leichter Geruch nach Katze, Maus, Huhn. Vielleicht mal ein Hühnerstall. Mäuse wären ja kein Wunder, und wo Mäuse sind, sind auch Katzen.

Wenn nicht noch ein Boot kommt, wird Gerda die Nacht hier verbringen müssen. Mit den Gerüchen kann sie leben, nur leider ist sie selbst der größte Stinker. Sie muss die nassen Sachen loswerden, sich den Faulschlamm vom Leib waschen. Wasser ist zum Waschen da, aber nicht das kostbare Trinkwasser aus der Regentonne. Bleibt also nur ein Vollbad auf der Wiese. Für einen Warmduscher wie sie ein eisiges Unterfangen. Zuerst muss sie etwas zum Abtrocknen finden.

Wenn es nur nicht so dunkel wäre. Da, vorn in der Kiste: eine Handlampe und jede Menge Ersatzbatterien. Drei Schaltstufen: Scheinwerfer, Notlicht, Aus. Ein Hebel zum Fokussieren. Die Batterien sind frisch. In der Kiste daneben ein Campingkocher und fünf Gaskartuschen. Gerda leuchtet weiter durch die Kisten, Kochgeschirr, Konservendosen, Keksdosen mit Nudeln und Kaffeebrot mit Zuckerguss, Schokoglasur und Kokosflocken, Teebeutel, die Stimmung steigt. Ein Stapel Wolldecken, fünf Stück, gute, schwere Decken, Schafwolle, ein wenig kratzig.

Am Ende findet sie einen Packen Scheuertücher, darunter versteckt drei Paar warme Wollsocken, zwei Paar Arbeitshandschuhe, einmal Leder, einmal Gummi, und ups, eine knallrote Zipfelmütze. Handtücher für die Zarten, Scheuertücher für die Harten, das muss gehen. Einmal wird es noch richtig kalt, aber dann braucht sie nicht mehr zu frieren. Sie sieht sich schon in warme Decken gehüllt den heißen Tee genießen.