Epilog: Gerda

Für eine Weile

Hauptperson, Singulär

gesellen sich Oma Phil und Mona dazu. Oma Phil begnügt sich mit einer Tasse Kaffee, essen kann sie jetzt nichts, es gibt ja auch noch Abendbrot. Mona hat sich ein Stück Pflaumenkuchen auf den Teller gelegt und der Tasse Kaffe noch ein Glas Kräuterlikör zur Seite gestellt, therapeutisches Reiten ist ja kein Wundermittel. Am Ende hilft Gerda Kai auf die Beine und die kleine Kaffeerunde macht sich auf den Weg zur Feuerstelle, wo Heinz zusammen mit Lotta bereits ein großes Feuer entfacht hat.

Weil es im Steinkreis viel zu heiß ist, versammeln sich die Festgäste außerhalb des Kreises, wo sich ihre Blicke gebannt in den lodernden Flammen verlieren. Irgendwann holen Vera und Gabriel den Bollerwagen ab. Carlos und Oma Mia brauchen ihn, um einiges aus der Kantine mitzubringen. Oma Phil bittet Vera, auch an die Decken und die Sitzkissen zu denken.

Endlich trudeln auch die fast schon vermissten Mädchen mit Brillenfee ein. Die Zottel haben sie gleich zur Weide gebracht und dort im Unterstand versorgt. Dann haben sie die Sättel und alles Zubehör zu Fuß in die Sattelkammer getragen. Danach haben sie sich noch umgezogen und frisch gemacht. - ›Hat leider etwas länger gedauert‹, entschuldigen sie sich, ›und jetzt wollen wir uns verabschieden.‹

›Oh, ihr wollt schon gehen‹, bemerkt Oma Phil traurig, ›wollt ihr denn nicht zum Lagerfeuer bleiben?‹ - ›Wollen schon‹, sagt Brigitte. - ›Wir dürfen nicht‹, erklärt Barbara, ›wir sollen zum Abenbrot zu Hause sein.‹ - ›Aber ihr würdet schon noch gerne bleiben?‹ hakt Oma Phil nach. - ›Ja, natürlich‹, antworten beide einmütig. - ›Wie kommt ihr denn nach Hause?‹ fragt Oma Phil weiter. - ›Zu Fuß‹, sagt Barbara. - ›Wir laufen‹, ergänzt Brigitte. - ›Wer ist denn jetzt euer Vormund?‹ will Oma Phil wissen. - ›Frau Jantzen‹, antwortet Barbara. - ›Mathilde‹, stöhnt Brigitte.

›Ah, Mathilde‹, überlegt Oma Phil, ›die glaubt sicher wieder, ihr stört.‹ - ›Wir stören immer‹, bemerkt Barbara traurig. - ›Also hier stört niemand‹, versichert Oma Phil, ›Ich bring euch mit dem Wagen, wollen doch mal sehen, ob da nicht noch etwas zu machen ist.‹ - So folgen die beiden Mädchen Oma Phil, zunächst in die Kantine, wo Oma Phil sich erkundigt, ob noch Kuchen da ist. Ja, noch ein ganzes Blech, Pflaume und Apfel halb und halb. Gut, der kommt mit, und Gabriel soll fahren. Mit Fahrer erhofft Oma Phil sich mehr Respekt. Los gehts in Oma Phils kleinem Jagdwagen.

Fünf Minuten hin zum Hafenrand, zehn Minuten Verhandlung mit Oma Phil und Obstkuchen, fünf Minuten zurück zum Koppelberg, Operation Mathilde erfolgreich abgeschlossen: Die Mädchen sind für heute Nacht aus Mathildes Obhut entlassen, dürfen unter der Aufsicht von Frau Dr. und ihrer Tochter Frau Hausmeister am Lagerfeuer teilnehmen, vorausgesetzt, sie stören nicht. Weil die anderen Mädchen in später Nacht nicht mehr gestört werden dürfen, sollen Barbara und Brigitte im Gelben Haus bei Frau Hausmeisters Tochter Karola übernachten.

Als Ausgleich für die großen Zugeständnisse, die Mathilde den Mädchen gemacht hat, sind beide jetzt in kratzige Wolljacken eingepackt und jede trägt einen Koffer für Zahnbürste und Schlafanzug in der Hand. Kleine Kinderkoffer mit Schaukelpferd- und Teddybärdekor, die ihnen sichtlich peinlich sind, obgleich sie doch das Liebste und das Einzige sind, was ihnen von ihrer Familie geblieben ist. Gabriel sieht die Not und erweist sich als guter Engel, indem er ihnen die Koffer abnimmt und für die anderen unsichtbar und sicher im großen Omnibus einschließt.