Epilog: Gerda

Das Ziel

Hauptperson, Singulär

ist ein kleiner, mit Plane abgedeckter Birkenholzstapel, ein Stück den Kammweg hinauf. Dort machen sich die Kinder gleich an die Arbeit.

Gerda schlägt sich ins Unterholz, wo sie rasch eine erkleckliche Menge dürrer Reiser zusammenklaubt, mit der Monierzange aus ihrer Seitentasche ablängt und mit dem Bindedraht bündelt. Mit der Axt gibt es da nichts zu schlagen.

Aus dem Augenwinkel beobachtet Gerda, wie schön die Kinder zusammenarbeiten. Lotta am Holzstapel, Kai am Bollerwagen und Brillenfee mittendrin. Ruhig und ohne Worte reichen sie die Hölzer weiter, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Oh, diese schönen Menschen. Gerda will sie alle.

Am Ende ist der Bollerwagen voll beladen, die Plane wieder aufgelegt und festgezurrt und weiter geht es zur Feuerstelle, einem Steinkreis in sicherem Abstand von den Gebäuden, wo sich die Koppelbergleute zu ihren Lagerfeuern zusammenfinden. Kai auf dem Wagen mit Gerdas Beute in der Hand, Lotta und Brillenfee an der Deichsel, Gerda mit der Axt nebenher.

Vom Festplatz her können sie hören, wie die Musik allmählich in Schwung kommt. Andante, Moderato, Allegro. Vera fiedelt auf der Violine, Gabriel schlägt den Rhythmus auf der Gitarre. Ein weiterer Musiker ist hinzugekommen, jemand spielt eine ziemlich schiefe Harmonika.

Die Kinder lassen den Bollerwagen beladen an der Feuerstelle stehen, das Reiserbündel hängen sie zum Nachtrocknen an einen Wäschepfahl, dann zieht es sie zum Festplatz hin.

Dort angekommen, sind Oma Phil, Oma Mia und Mona gerade dabei, das Sonnendach über der Festtafel aufzuspannen. Carlos geht an der Außenkochstelle, zwischen Pfannen und Töpfen, ganz in seiner Berufung auf. Es duftet und dünstet, es britzelt und brutzelt, die Gemüseschnitzelmaschine rappelt fleißig schabend vor sich hin, aber diese appetitlichen Geräusche gehen vollkomem unter in der alles übertönenden Musik.

Und die hat sich unter dem großen Tor aufgestellt, Gabriel, auf einem Klappstuhl sitzend, an der wie ein Schlagzeug gepielten Gitarre, Vera, aufrecht stehend, an der wie eine Fiedel gespielten Violine und auf einem weiteren Klappstuhl kein anderer als Kais Vater Heinz an einem als Bandoneon gespielten Bandoneon, das deutlich nach fachkundiger Revision schreit.

Auf dem Platz vor der Kapelle führen Babara und Brigitte, die beiden Pferdemädchen, in Arbeitskleidung, Latzhose und Gummistiefel, einen wilden Tanz auf, der ihnen sichtlich Vergnügen bereitet. Als sie Gerda und die anderen Kinder erblicken, geben sie ihnen Winke, sie sollen mitmachen. ›Gerda komm, Tarantella‹, ruft Brigitte.

Brillenfee gibt Kai einen leichten Klaps auf die Schulter und die beiden springen gemeinsam in den Ring. Lotta muss noch ein wenig schmollen. Gerda ist eifersüchtig, nicht auf Kai und Brillenfee, sondern auf Kais Vater Heinz, wie der da so fröhlich auf seinem Bandoneon herumklappert und fortwährend frivole Blicke mit Vera tauscht. Derselbe schwermütige Heinz, der für Gerdas Mutter Mona nie mal ein nettes Wort übrig hat und sie nicht anschauen mag, spielt mit Vera auf einmal den lustigen Musikanten. Es ist ja schön, dass er überhaupt einmal lustig ist, aber warum jetzt mit Vera und nie mit Mona.

Entschlossen holt Gerda ihre Mutter von der Festtafel fort, drückt ihr das verwaiste Tamburin aus dem Stall in die Hand und stellt sie Heinz zur Linken der Musikgruppe bei. Mona hat beruflich mit Kindern viel Tamburin gespielt und nun ist sie von Gerdas resolutem Auftritt so überrascht und verstört, dass sie unwillkürlich mit dem Instrument in der Hand den Rhythmus aufnimmt. Da muss der Heinz jetzt aber aufpassen, dass er nicht zur falschen Seite schielt, denkt Gerda. Dann gibt sie Lotta einen festen Schlag auf die Schulter und die beiden schließen sich der Tanzgruppe mit einem Simultansprung an.