Epilog: Gerda

Hei

Hauptperson, Singulär

wie das in die Beine geht und gar nicht wieder aufhören will. Wer kann die tollen Tänzer von ihrer Tanzwut erlösen? Keine Pflanze, kein Tier, kein Mensch, kein Engel. Nur ein winziges Ding, ein Gegenstand, ein Objekt kann hier der Vorsehung Einhalt gebieten.

Vorgesehen war, dass der Engel Gabriel seiner großen, für das Spiel im Freien bevorzugten, Gitarre mit den Stahlsaiten, vor dem Spiel noch neue Saiten aufziehen würde. Diese Vorsehung sollte den Klang des Instrumentes verbessern und zugleich die Sicherheit des Musikers erhöhen. Damit hätte sie aber auch die vollständige Erschöpfung der Tänzer und so ein vorzeitiges Ende des Festes und der ganzen Geschichte bewirkt.

Zum Glück war der Engel Gabriel, vom Stimmen der Violine abgelenkt oder auch aus purer Vergesslichkeit, der Vorsehung nicht gefolgt, so dass nun, in Gestalt der kleinen e-Saite, die Tücke des Objektes ins Spiel kommen kann. In selbstloser Aufopferung reißt sich die Saite zusammen, zerspringt mit einem Schnipp und rettet so das Fest und die Tänzer.

›Schnipp!‹ sagt die Saite, ›Autsch!‹ sagt der Engel. Das hätte ins Auge gehen können. Angesichts des großen Opfers ihrer kleinen Schwester verharren die übrigen Saiten in pietätvollem Schweigen. Auch die Violine verstummt, fühlt sie sich als Saiteninstrument doch der Gitarre verwandt. Das Tamburin, nicht mit Saiten aber doch mit einem Fell bespannt, mag auch nicht weiterspielen. Einzig das Bandoneon schleppt sich noch ein, zwei Takte weiter, dann schweigen auch seine metallenen Zungen.

So enden Tanz und Wut. Atemlos glücklich lassen sich die Kinder zu Boden sinken. Puh.