Epilog: Gerda

da rollst du mit den Augen

Hauptperson, Singulär

»Du denkst immer, ich sei der große Zampano, der alles weiß und alles kann. Aber das bin ich nicht. Ich bin nur ein kleines Mädchen, das nach seiner Mama schreit.«

Der große Zampano mit seinem Maschinengott, der kann alles gut machen, der kann Lotta retten. Wenn er Gerda gerettet hat, dann muss er auch Lotta retten. Gerda ohne Lotta hätte er sich gleich sparen können.

Gerda weiß jetzt, was sie braucht: ein großes Fass Honig und einen großen Löffel.

»Oh, großer weiser Zampano, du Durchlauchtigster voll Gnade und Güte, in deiner unendlichen Weisheit und Barmherzigkeit hast du der armen dummen Gerda Klein, die dumm genug war, sich in den Fluss plumpsen zu lassen, obwohl sie gar nicht schwimmen kann und die deshalb mit Recht hätte ertrinken müssen, der dummen Gerda hast du ihr Leben gerettet, in einer wunderbaren Geschichte, die du auf wunderbare Weise mit Lottas Geschichte verbandelt und verwandelt hast, so dass beide Geschichten nun eins sind, eine einzige wunderbare Geschichte, die du zu deinem ewigen Ruhm zur höchsten Vollendung führen kannst, wenn du nun auch Lotta am Leben lässt, ganz leicht, ohne Gott aus der Kiste, weil Lotta ja schwimmen und tauchen kann, da wär es ja ein Wunder, wenn sie ertrinken würde, oh bitte, bitte, lieber Zampano, lass die Geschichte weiter gehen, ohne Lotta, wäre hier alles zu Ende, niemand will so etwas hören.«

Da sitzt er, der Zampano, faul in seinem Liegestuhl am Strand im schönen Hawaiʻi, umgeben von seinen sieben Feen, die um ihn herumscharwenzeln und ihn von vorne bis hinten bedienen und es sieht nicht so aus, als hätte ihn Gerdas Ansprache sonderlich beeindruckt.

Gerda ärgert sich über dieses abweisende Verhalten und kann ihren Unmut nicht zurückhalten: »Hallo, du Zampano, ich kann dich nicht hören! Ich habe dich um etwas gebeten, willst du mir nicht antworten? Und wie du aussiehst! Diese viel zu kleine Badehose, die irgendwo zwischen deinen Fettröllchen verschwindet, dass du dich nicht schämst vor deinen Feen. Glaube mir, mit Fettröllchen kenne ich mich aus, die sind nicht schön, aber man kann sich trotzdem anständig anziehen. Ein schickes buntes Hawaiihemd und unifarbene Bermudashorts. Und setz dir um Himmels willen etwas auf den Kopf, einen Strohhut vielleicht oder eine Schirmmütze. Da in der prallen Sonne verschmurgelt dir doch das Gehirn. Verdammt Zampano, du bist eine Schande für uns alle.«

Oh weh, das war kein Honig ums Maul, eher ein Fuder Senf ins Gesicht, So wird Gerda Lotta nie retten können.

Warum kann Gerda auch ihre Klappe nicht halten, sie muss sich entschuldigen: »Oh, verzeih mir lieber Zampano, es geht mich ja nichts an, wie du dich kleidest und ich will dich auch nicht nach deinem Äußeren beurteilen. Ich habe nur solche Angst um Lotta und ich möchte dass die Geschichte ganz schnell gut ausgeht, darum war ich etwas ungeduldig. Vielleicht willst du dich auch nur noch etwas ausruhen.«

Gerda hat eine Idee: »Weißt du was, Ich habe eine gut Idee, wie es für dich noch einfacher wird. Ich bin ja die Hauptperson, da kannst du Lotta fragen, und darum bin ich wie geschaffen dafür, die Geschichte selbst zu Ende zu erzählen. Das bleibt natürlich unter uns und wird alles deinem Ruhm und deiner Ehre zugerechnet. Du brauchst also gar nicht mehr zu denken, nur aufzuschreiben, was ich dir diktiere.«

Der Zampano rührt sich nicht. Gerda erkennt das Problem: »Ach, ich Dummchen, ich sehe schon, die Zigarre in der linken Hand, das Whiskeyglas in der rechten, da kannst du natürlich nicht schreiben. Aber du kannst dir doch helfen lassen. Eine von deinen Feen kann für dich schreiben, die mit der Brille zum Beispiel, die dir immer vorliest. Also, Brillenfee, mach dich bereit:«