Anhang

Quellen

und Empfehlungen

Epigramm

Der gesamte Bestand der vorhandenen Literatur sei als Limbus anzusehen, dem scharfsinnige Autoren ihre Figuren je nach Bedarf entnehmen könnten, so daß sie nur dann selber eine zu erfinden brauchten, wenn es ihnen nicht gelinge, unter den vorhandenen Marionetten eine geeignete ausfindig zu machen. Der moderne Roman habe weitgehend aus Verweisen zu bestehen. Die meisten Autoren verbrächten ihre Zeit damit, zu sagen, was früher schon gesagt worden sei - und das meist viel besser. Eine Fülle von Verweisen auf bereits vorhandene Werke würde den Leser augenblicklich mit dem Wesen eines jeden Charakters bekannt und ermüdende Erläuterungen hinfällig machen sowie Scharlatane, Parvenus, Taschenspieler und Leute niederen Blidungsstandes von einem Verständnis der Gegenwartsliteratur wirksam ausschließen. [Flann O'Brien, In Schwimmen zwei Vögel (1939), aus dem Englischen von Helmut Mennicken M.A. und Harry Rohwohlt.]
I want to ask her how that's possible, how she even knows for sure. But something stops me. In all the stories I've read and heard about magic, people do best when they just believe. It's when they start poking at it, asking too many questions, that everything unravels. [Mona Susan Power, A Council of Dolls (2023).]

Familie

Reden heißt nicht nur Worte mit dem Mund herstellen. Man kann auch durch Zeichen, durch Schreiben, Handeln, Bilder, Lieder und Musik, sogar durch Schweigen etwas sagen. Andererseits kann das eifrigste Wortemachen ein Nichtreden sein ... Reden steuert, hilft, bekämpft, versöhnt, macht Freude, rettet, klärt, beruhigt, heilt, gewinnt Freunde, siegt. Reden verhindert oder ersetzt Gewalt. Seine Wirkungen sind, im Gegensatz zur Gewalt, rückgängig zu machen ... Reden zu wollen, schreiben oder etwas sagen zu wollen, es aber nicht zuwege zu bringen, ist traurig und gefährlich für uns selbst und andere: es staut sich da etwas an, und je mehr es gestaut ist, desto weniger kann man es noch in akzeptabler Weise herauslassen ... Nur wer sich dafür entscheiden kann, nichts zu sagen, kann auch frei reden ... [Sten Nadolny, Selim oder Die Gabe der Rede (1990).]
Ach wär es möglich, daß eine fremde Sprache eine andre fremde Sprache mit ihren Klängen und Wortarten so ganz decke, daß einer einen Roman in der einen schrieb, der andre in der Meinung, es sei die andre Sprache, in ihr diesen in der ersten Sprache geschriebnen Roman läse? - und kriegte da eine Geschichte heraus, von der keine Spur je geahnt oder gemeint war. So ist's mit Dir, und ich muß Deine Hoffnungen alle niederschmettern, daß ich mich bemühen würde, »allgemein liebeswürdig und geliebt« zu werden. Du hast mich nicht in meiner Sprache gelesen. [Bettina von Arnim, Clemens Brentanos Frühlingskranz (1844).]
Maria hat es in einmaliger Weise getroffen. Alles, was mit weiblicher Geschlechtlichkeit zu tun hat, alles, was natürliches Kinderzeugen und Kindergebären bedeutet, durfte ihr nicht zuteil werden. Sie durfte ihren Sohn nicht mit einem Mann bekommen, es mußte Heiliger Geist sein und Lustlosigkeit herrschen. Sie durfte ihren Sohn nicht auf natürliche Weise gebären, denn sie mußte auch in der Geburt unversehrt bleiben, sie durfte schließlich später keine anderen Kinder bekommen, denn das hätte Verletzung und Schändung bedeutet. So hat man sie zu einer Art geschlechtslosem Wesen gemacht, zu einem auf ihre heilsgeschichtliche Funktion reduzierten Schatten einer Frau und Mutter. [Uta Ranke-Heinemann, Eunuchen für das Himmelreich, 30. Kapitel, Anmerkungen zur Mariologie (1988).]
We were born with strong spirits that are related to all other beings in our territory, related to the hills and rivers, the sun and moon. The inner light my teachers wish to give me ist already here, though some of them do their best to snuff it out. [Mona Susan Power, A Council of Dolls (2023).]
¹³Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. ¹⁴Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? ¹⁵Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu. ¹⁶Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. ¹⁷Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. [N.N., Lutherbibel 2017, Matthäus 3,13-17 (2017), aus dem Hebräischen von Martin Luther, 1534.]
»Six of us came here, a brother and five sisters. I am the youngest. Because we sisters failed to gain for our brother what he wanted, he abandoned us here without family or friends and went back home with his companion.« [S.N. Haleʻole, Lāʻieikawai (1863), aus dem Hawaiischen von Martha Warren Beckwith.]
Pippi glaubte, daß ihre Mutter nun oben im Himmel sei und durch ein kleines Loch auf ihr Kind runterschaue, und Pippi winkte oft zu ihr hinauf und sagte: »Hab keine Angst um mich! Ich komm schon zurecht!« [Astrid Lindgren, Pippi Langstrumpf (1945), aus dem Schwedischen von Cäcilie Heinig.]
Und Ronja begriff. Jetzt endlich verstand sie, woher alles kam. Alles, was die Räuber abends auf den Pferderücken heimbrachten, alle Waren in Säcken und Bündeln, alle Kostbarkeiten in Laden und Schreinen - all dies wuchs schließlich nicht auf den Bäumen im Wald. Ihr Vater nahm es anderen Menschen einfach weg. [Astrid Lindgren, Ronja Räubertochter (1981), aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky.]
Dick und Dalli heißen eigentlich Barbara und Brigitte Jantzen. Sie mögen es aber nicht, dass man sie so nennt, obwohl sie keinem Menschen erklären können, weshalb sie Dick und Dalli heißen wollen ... Im Übrigen sind sie Waisenkinder ... [Ursula Bruns, Dick und Dalli und die Ponys (1952).]
Die Frankfurter haben mir geschrieben und haben mich schon ausgepelzt mit allerlei verwunderlichen Prophezeihungen. - Erstens: ich soll mir häusliche Tugenden angewöhnen. Zweitens: wo ich einen Mann hernehmen will, wenn ich Hebräisch lern? [Bettina von Arnim, Die Günderode (1840).]
Du hast mich nach Frankfurt promoviert - jetzt, wo ich da bin, läufst du wie eine Glucke am Ufer, wo das Entchen schwimmt, und glucksest Dich ganz müde vor Angst. Aber ich schwimme gar auf keinem gefährlichen Element, es ist lauter Einbildung von dir! [Bettina von Arnim, Clemens Brentanos Frühlingskranz (1844).]
But regardless, she said, there is something so awful, something so gross about watching someone who loves you struggle to believe what you both know, deep down, is partially a lie. [Aimee Bender, An Invisible Sign of My Own (2000).]

Homo vestitus

Als sie sich dann anziehen sollte, brachte Mama den weißen Pullover, den Oma für Lotta gestrickt hatte. »Den nicht«, sagte Lotta. »Der kratzt und piekt.« [Astrid Lindgren, Lotta zieht um (1961), aus dem Schwedischen von Thyra Dohrenburg.]
... und obschon es sich dabei noch nicht mal metaphorisch um das Kleine Schwarze handelte, sondern lediglich ein grün-braunes Karoflanellhemd, befielen dich in jeder weiteren noch rumzubringenden Minute stärkere Skrupel, die sich durch ebenso minütliche Spiegelblicke, die dir nur versichern sollten, dass du doch ganz normal aussahst, bald nicht mehr besänftigen ließen, im Gegenteil. Du sahst einfach verdammt gut in dem Hemd aus ... [Judith Zander, Johnny Ohneland (2020).]
Im Kleid kannst du nicht hinein, du mußt es ausziehen. - In den Schutzanzug...? Wozu...? - fragte sie und machte sich sofort ans Ausziehen, aber gleich stellte sich etwas Merkwürdiges heraus: Das Kleid ließ sich nicht ausziehen, weil es nichts zum Aufknöpfen hatte. Die roten Knöpfe in der Mitte waren bloßer Aufputz. Da war kein Reiß- oder sonstiger Verschluß. [Stanislaw Lem, Solaris (1968), aus dem Polnischen von I. Zimmermann-Göllheim.]

Leben

Als erstes gab ich ihm zu verstehen, sein Name solle Freitag sein, weil ich ihm an diesem Tag das Leben gerettet hatte. Ich nannte ihn so zur Erinnerung an diesen Tag; ebenso lehrte ich ihm das Wort »Herr« sagen, und bedeutete ihm, das sei mein Name; [Daniel Defoe, Robinson Crusoe (1719), aus dem Englischen von Hannelore Novak.]
Als ich von dem Baum gestiegen war, kroch ich das Flußufer 'n Stück runter und fand die beiden Leichen, die am Rand im Wasser lagen; ich zog so lange dran, bis ich sie auf dem Ufer hatte, und deckte die Gesichter zu; dann lief ich fort, so schnell ich konnte. Als ich Bucks Gesicht zudeckte, weinte ich 'n bißchen, denn er war mächtig gut zu mir gewesen. [Mark Twain, Huckleberry Finns Abenteuer (1884), aus dem Englischen von Lore Krüger.]
Aus der Welt schaffen möchte ich mich, ich bin mir eine Last. Ich frage mich, welche Todesart die schnellste ist: ertrinken, von einem Turm springen und auf dem Pflaster zerplatzen? [Monika Seck-Agthe, Liebe ist was Großes (1988).]
»Nun! - Und was soll ich denn tun, wenn Du tot bist?-« »O«, sagt sie, »dann ist Dir nichts mehr an mir gelegen, bis dahin sind wir nicht mehr so eng verbunden, ich werd' mich erst mit Dir entzweien.« [Bettina von Arnim, Briefwechsel mit Goethes Mutter (1835).]
»Ich kann auch etwas Besonderes sein!« schrie sie in den Wagen, und das brachte sie schließlich zur Besinnung. Sie wußte, das hier wäre gar nichts Besonderes, sondern wieder einmal genau das gleiche. Ein toter Indianer mehr auf dem Highway, ein Auto mehr, das als Schrott bei irgend jemandem im Hof landen würde. Charlene hielt den Wagen mitten auf der Straße an und öffnete die Tür. [Susan Power, Die Grastänzer (1994), aus dem Englischen von Marion Sattler-Charnitzky.]
⁴⁶Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani?[1] Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? [N.N., Lutherbibel 2017, Matthäus 27,46 (2017), aus dem Hebräischen von Martin Luther, 1534.]
Es vermied dann aber immer die Wörter Tod, getötet, tot, und jetzt passte ihm auch alles, was mit Verlust zusammenhing, nicht mehr. Ich habe sie ja nicht verloren, dachte es. Und ich bin auch selber nicht verloren. Irgendwas behütet mich schon, so gern ich es allerdings manchmal direkt und von Leuten hätte, Behütetwerden, das Gefühl und so - aber wenn es nicht geht, dann eben nicht, und das größere Behüten ist immer da. Ätsch, ihr Leute! Ihr könnt mich kränken, aber nie ganz bis zuletzt, bis zu einer Vernichtung. [Gabriele Wohmann, Paulinchen war allein zu Haus (1974).]
Sollt ich Deinen Charakter zusammenfassen, so würd ich Dir prophezeien, wenn du ein Knabe wärst, du werdest ein Held werden; da Du aber ein Mädchen bist, so lege ich Dir all diese Anlagen für eine künftige Lebensstufe aus, ich nehme es als Vorbereitung zu einem künftigen energischen Charakter an, der vielleicht in eine lebendige regsame Zeit geboren wird. ... Napoleon zum Beispiel - Doch sind solche nicht ohne Nutzen fürs menschliche Vermögen des Geistes. Vorurteile müssen ganz gesättigt, ja gleichsam übersättigt werden, eh sie vom Geist der Zeit ablassen. Nun! welche Vorurteile mag wohl dieser aller Held schon erschüttert haben? - und welche wird er nicht noch bis zum Ekel sättigen? wie manches werden die zukünftigen Zeiten nicht mit Abscheu ausreuten, dem sie jetzt mit leidenschaftlicher Blindheit anhängen. [Bettina von Arnim, Die Günderode (1840).]
»Sei nicht dumm!« ereiferte sie sich. »Erzähl mir nicht, daß du immer noch Hoffnung hast!« - »Doch, das habe ich, und du ebenfalls!« schnauzte ich sie an. »Wenn du keine mehr hast, warum wartest du dann noch? Hier, bitte!« Ich zeigte auf den elektrischen Zaun. [Gerda Weissmann Klein, Nichts als das nackte Leben (1957), aus dem Englischen von Anna Kaiser.]
Als alles zum Zug nach Asien fertiggestellt war, berief Alexander seine Vertrauten und beschenkte sie, ja er verteilte fast alle seine Besitzungen unter ihnen; als ihn dann einer seiner Feldherrn fragte: »Und was bleibt dir?« versetzte er: »Die Hoffnung!« [Wilhelm Pfeifer, Erzählungen aus Sage und Geschichte (1910).]
HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG HOFFNUNG [Mieze Katz, Hoffnung (Stille Post) (2004).]
Und ich denke an den Dichter
Der in Optimismus floh
Nur für freudige Gesichter
Traurig bin ich sowieso
[Bettina Wegner, Traurig bin ich soweiso (1982).]
... nur so wird eine Geschichte daraus, die gut endet. Das Leben steckt in den Geschichten, also kann man jemanden durch sie am Leben erhalten. [Sten Nadolny, Selim oder Die Gabe der Rede (1990).]
Hier möchte ich Wurzeln schlagen, wo ich jetzt sitze, im Sand. Dann gerade nach oben wachsen und Blätter kriegen, rauschend schaukeln im Wind, im Winter meine Kleider hinschmeißen und trotzdem nicht frieren. Den ganzen Tag aufs Wasser gucken, eine kräftige, elegante Kastanie, die Nase im blauen Himmel, die Füße fest im Boden, ganz frei, ganz gleichgültig. [Monika Seck-Agthe, Pink Flamingo (1987).]
»Das muß ich mir doch noch überlegen. Oder lieber, lassen wir's überhaupt. Ich spreche nicht gern von Tod, ich bin für Leben.« [Theodor Fontane, Effi Briest (1895).]
Als der Priester seine notdürftig improvisierte Rede mit der Trauliturgie »bis dass der Tod eucb scheidet« beendete und sie erwartungsvoll ansah, steckte Kai Cecile einen aus Kaugummipapier gebastelten Ring an den Finger. Sie strahlte ihn an, er strahlte zurück, und dann antwortete er dem Stellvertreter aller überweltlicher Wesen: »Man stirbt nicht so leicht, wenn man jung ist.« [Helene Hegemann, Jage zwei Tiger (2013).]
»Und dann hütest du dich davor, in den Fluß zu plumpsen«, sagte Mattis. »Und was tu ich, wenn ich in den Fluß plumpse?« fragte Ronja. »Schwimmst«, sagte Mattis. »Na, dann«, sagte Ronja. [Astrid Lindgren, Ronja Räubertochter (1981), aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky.]
»Ei was, du Rotkopf«, sagte der Esel, »zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben.« [Brüder Grimm, Die Bremer Stadtmusikanten (1815).]
Fühlst du das auch,, das Glücklichsein, bloß weil du atmest - wenn Du im Freien gehst und siehst den unermeßlichen Äther über Dir - daß Du den trinkst, daß du mit ihm verwandt bist, so nah, daß alles Leben in Dich strömt von ihm? [Bettina von Arnim, Die Günderode (1840).]
Da brach Kay in Tränen aus; er weinte so, daß ihm das Spiegelkörnchen aus den Augen geschwemmt wurde, er erkannte sie und jubelte: »Gerda! süße, liebe Gerda! - Wo bist du doch so lange gewesen, und wo bin ich gewesen?« Und er schaute rings um sich her. »Wie kalt es hier ist! Wie leer und weit es hier ist!« Und er umfaßte Gerda und sie lachte und weinte vor Freude. [Hans Christian Andersen, Die Schneekönigin (1835), aus dem Dänischen von N.N..]
Sie lächelte still und sah mich vergnügt und freundlich an, und von fern schallte immerfort die Musik herüber, und Leuchtkugeln flogen vom Schloß durch die stille Nacht über die Gärten, und die Donau rauschte dazwischen herauf - und es war alles, alles gut! [Joseph Freiherr von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts (1826).]

Leibesübungen

»Papperlapapp«, sagte Großmama herzlich, den Teller bis zum Rand füllend, »bei uns schläft man nachts.« und während Ethelbert mit grünlich gewordenem Gesicht weiterlöffelte, fuhr sie fort: »Du wirst das schon selber merken. Der frische Wind und die weiten Spaziergänge durch den Schnee und natürlich die Beschäftigung mit den Ponys, das macht einen prachtvoll müde. Ja, und erst die Ritte!« Dick und Dalli grinsten wie die Nilpferde ... »Vielleicht kann er gar nicht reiten?« meinte Tante Tilde ängstlich. [Ursula Bruns, Dick und Dalli und die Ponys (1952).]
Jeden Tag in der Mittagshitze badeten sie im Flußwasser. Sie schwammen und tauchten wie zwei Fischotter und ließen sich von der Strömung tragen, ... [Astrid Lindgren, Ronja Räubertochter (1981), aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky.]
»Er hat keine Ahnung davon, daß ich mir nichts aus Schmuck mache. Ich klettre lieber, und ich schaukle mich lieber, und am liebsten immer in der Furcht, daß es irgendwo reißen oder brechen und ich niederstürzen könnte. Den Kopf wird es ja nicht gleich kosten.« [Theodor Fontane, Effi Briest (1895).]
Der Esel mußte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, daß die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsezlichen Geschrei in die Höhe, meinten nichts anderes, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. [Brüder Grimm, Die Bremer Stadtmusikanten (1815).]
... sonst war alles ganz gut, wir tranken Nachmittag auf dem Musenfels Kaffee und machten ein lustig Feuer im Wald an und tanzten zuletzt einen Ringelreihen drum, bis die letzten Flammen aus waren, und alle waren wie die Kinder so vergnügt, und mir kam vor, als wenn gar kein Falsch oder versteckte Gesinnumg mehr unter allen wäre. [Bettina von Arnim, Die Günderode (1840).]
Als wir eintraten in den Saal, da stand ein ganzer Trupp langer, dünner, kurzer, dicker, breiter, alle schwarz gekleideter Tanzherren in der Mitte, die so viel Raum zum Tanz ließen zwischen sich und den Wänden, an denen die jungen Mädchen zwischen Mamas aufgereiht waren wie allerlei Marktfrüchte, worunter Schoten, Rüben und Zwiebeln nicht die wenigsten waren, hier und da ein angenehmer Blumenkohl, nur selten ein Borsdorfer Apfel, worunter ich zu zählen; jetzt holten die Herrn diese Rübchen, Zwiebelchen und Schoten-Bukettchen zum Tanz. [Bettina von Arnim, Clemens Brentanos Frühlingskranz (1844).]
So trugen die sieben Priester die sieben Posaunen vor der Lade des Hᴇʀʀɴ her und bliesen immerfort die Posaunen; und wer bewaffnet war, ging vor ihnen her, und das übrige Volk folgte der Lade des Hᴇʀʀɴ, und man blies immerfort die Posaunen. [N.N., Lutherbibel 2017, Das Buch Josua (ca. 2000 v.Chr.), aus dem Hebräischen von Martin Luther, 1534.]
Aber ich entwand mich doch noch, und es gelang mir, ihn einen Augenblick aufzuhalten. Nur einen Augenblick, denn gleich darauf versetzte er mir einen heftigen Schlag. In demselben Augenblick erhaschte ich seine Hand mit meinem Mund und biß sie durch und durch. [Charles Dickens, David Copperfield (1849), aus dem Englischen von Gustav Meyrink.]
Als ich an den Tisch des Lehrers kam, fand ich einen Pappendeckel mit der schön geschriebnen Inschrift: »Acht geben. Er beißt.« [Charles Dickens, David Copperfield (1849), aus dem Englischen von Gustav Meyrink.]
Seine Finger liegen wie Eisenringe um meinen Arm. Ich mache den Mund auf und beiße in seine Hand, so fest ich kann. Meine Zähne graben sich in sein Fleisch, daß es knirscht. [Monika Seck-Agthe, Pink Flamingo (1987).]
»Pshaw! Ich fürchte mich nicht, denn ich habe für alle Fälle meine Arme und Fäuste, und Winnetou ist kein Lügner, sondern ein edler Krieger, der sein Wort nie brechen wird.« [Karl May, Winnetou I, Kapitel 4 (1893).]

Naturkunde

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. [Franz Kafka, Die Verwandlung (1915).]
Wer kann das Grauen meiner verschwiegenen Arbeit ermessen, wenn ich in ungeweihter Grabesfeuchte wühlte oder lebendige Kreaturen marterte, um den unbeseelten Lehm zu beleben? [Mary Shelley, Frankenstein oder der moderne Prometheus (1818), aus dem Englischen von Ursula und Christian Grave.]
Bei den höher entwickelten Tieren spezialisieren sich viele Zellen einheitlich auf eine bestimmte Leistung. Derartige, aus Zellen gleicher Gestalt und Leistung bestehende Zellverbände bezeichnet man als Gewebe. Es gibt so viele Gewebearten im Organismus, als Funktionen auszuführen sind. [Hermann Linder, Biologie, Lehrbuch für die Oberklassen der Höheren Schulen, 17., völlig neubearbeitete Auflage (1948/1971).]
Das Blut können wir als ein Gewebe auffassen, dessen Zellen in Flüssigkeit schwimmen ... Das Blut erfüllt Transport-, Eigen- und Abwehrfunktionen ... Eigenfunktionen sind Pufferung und Blutgerinnung. [Adolf Faller, Der Körper des Menschen, Einführung in Bau und Funktion, 11. Auflage (1987).]
Der Mutterkuchen vermittelt die Ernährung des Keimes. In seinem Bereich treten Kapillaren des Keimes so dicht an Kapillaren der mütterlichen Blutgefäße heran, daß ein Stoffaustausch durch Diffusion zwischen dem mütterlichen und dem kindlichen Blut erfolgen kann. [Hermann Linder, Biologie, Lehrbuch für die Oberklassen der Höheren Schulen, 17., völlig neubearbeitete Auflage (1948/1971).]
So verschieden die männlichen und weiblichen Organe und die Vorgänge der Paarung und Befruchtung im einzelnen sind, so gleichen sich im grundsätzlichen die Befruchtung der Eizelle des Blasentangs, des Seeigels oder eines Säugetiers doch erstaunlich. Der gleichartige Verlauf der Befruchtung bei Pflanze und Tier weist auf eine gemeinsame Wurzel beider hin. [Hermann Linder, Biologie, Lehrbuch für die Oberklassen der Höheren Schulen, 17., völlig neubearbeitete Auflage (1948/1971).]
Viele Untersuchungen an Pflanzen-, Tier- und Bakterienzellen sowie künstliches Zusammenfügen vorher isolierter Bestandteile aus verschiedenartigen Zellen brachten das Ergebnis, daß wohl alle Organismen den gleichen (genetischen) Kode besitzen: er ist universell. [Hermann Linder, Biologie, Lehrbuch für die Oberklassen der Höheren Schulen, 17., völlig neubearbeitete Auflage (1948/1971).]
Die Körperzellen des Menschen enthalten 46 Kernschleifen. Ein solcher Chromosomensatz besteht aus 44 Autosomen und zwei Heterochromosomen, die das Geschlecht bestimmen. Im männlichen Geschlecht werden die Heterochromosomen als X- und Y-Chromosom bezeichnet. Im weiblichen Geschlecht enthalten die Zellen zwei X-Chromosomen. [Adolf Faller, Der Körper des Menschen, Einführung in Bau und Funktion, 11. Auflage (1987).]
Die bisherige Darstellung ordnete Phän und Gen einzeln einander zu (1-Gen-1-Merkmal-Hypothese). Diese allgemein übliche Vereinfachung ist aber irreführend, da solch eindeutige Beziehungen nur gelten würden, wenn als Merkmal die primären Genprodukte RNA und Enzymeiweiß aufgefasst werden (1-Gen-1-Enzym-Hypothese). Da diese jedoch erst sekundär und in einem Netzwerk sich gegenseitig beeinflussender physiologischer Prozesse die im Erbgang verfolgten Erscheinungen kontrollieren, wird die vielseitige Wirkung eines Gens (Polyphänie) und die Abhängigkeit eines Merkmals von zahlreichen Genen (Polygenie) verständlich. [Günther Vogel, Hartmut Angermann, dtv-Atlas zur Biologie, 6. Auflage (1973).]
Die Einflüsse unserer Gene und unserer Umwelt sind nicht nur mathematisch voneinander abhängig, sondern zu großen Teilen tatsächlich völlig unentwirrbar miteinander verwurschtelt. Schauen wir uns einen großen Teil dieser Matschepampe namens Genom-Umwelt-Korrelationen am Beispiel Musikalität an. [Mai Thi Nguyen-Kim, Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit (2021).]
In einem natürlichen Wald unterscheidet sich das Erbgut der Bäume einer Art sehr stark voneinander. Wir Menschen hingegen liegen mit unseren Genen dicht beieinander, sind alle evolutionär miteinander verwandt. [Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume (2015).]
Bei der Birke ist dies daran zu erkennen, dass die glatte weiße Rinde aufplatzt und schwarze Leisten bildet. An dem harten Material scheitern die Zähne der Pflanzenfresser, zudem schmeckt ihnen das mit Ölen durchtränkte Gewebe nicht. Diese Ausstattung ist übrigens der Grund, warum Birkenrinde auch in grünem Zustand hervorragend brennt und sich gut zum Entzünden eines Lagerfeuers eignet (dazu zieht man aber nur die äußere Schicht ab, um den Baum nicht zu verletzen). [Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume (2015).]
Pflanzen erzeugen per definitionem ihre Nahrung aus unbelebter Materie selber, sind also völlig unabhängig. Kein Wunder, dass auf kargen, blanken Böden zunächst grüne Vegetation auftauchen muss, bevor Tiere nachfolgen können. Diese müssen nämlich grundsätzlich andere Lebewesen verspeisen, um zu überleben. [Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume (2015).]
Wir nutzen lebende Wesen, die für unsere Zwecke getötet werden, da gibt es nichts zu beschönigen. Andererseits stellt sich die Frage, ob unser Handeln tatsächlich verwerflich ist. Wir sind schließlich ebenfalls Bestandteil der Natur und vom Körperbau her so angelegt, dass wir nur mithilfe der organischen Substanz anderer Arten überleben können. Diese Notwendigkeit teilen wir mit allen Tieren. [Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume (2015).]
Im weiteren Verlauf wird gegessen, gegessen, gegessen. Zu Beginn gibt es Krabbencocktail mit rosa Soße und einer Kirsche obendrauf, was mich bereits vollauf zufriedenstellt. Meinetwegen könnte man auch gleich anschließend die Tafel aufheben. Die Versammelten sind allerdings wild entschlossen, in den folgenden Stunden in sich hineinzustopfen, was nur geht, und es geht eine Menge. Platten voller Rehrücken unter Bergen von Pfifferlingen, Filet Wellington und komische panierte Kartoffelbällchen mit komplizierten französischen Namen, winzige dünne Böhnchen, bei deren Anblick die Damen in Entzücken ausbrechen, unzählige Kännchen mit brauner Soße und Schälchen voller Preiselbeeren werden herein- und wieder herausgetragen. [Pia Frankenberg, Die Kellner & ich (1996).]
Bevor der Jäger den Bären tötete, mußte er ihn mit einem rituellen, manchmal sogar mit einem Verwandtschaftsnamen ansprechen. Er mußte sich bei dem Tier entschuldigen und ihm erklären, daß er ihn töten mußte, um sich und seine Familie zu ernähren. Er mußte den Bären bitten, nicht zornig zu sein, und ihm versichern, daß sein Körper mit dem gebührenden Respekt behandelt werden würde. [Sam D. Gill, Amerika 1492 10. Kapitel Religiöse Formen und Themen (1992), aus dem Englischen von Brigitte Walizek.]
Ein Pferd, das allerdings Kopf und Hals aufrecht hält und mit Ohren und Augen die Gegend absucht, ist alles andere als entspannt. Es hat den Auftrag, die Umgebung nach Feinden abzusuchen, und ist immer angespannt und aufmerksam, wobei es garantiert kein Bein entlastet hat. [Susanne Kreuer, Pferde verstehen (2013).]
Wegen des fischähnlichen Erscheinungsbildes stellte man früher die Wale zu den Fischen. Es gibt aber keine Walfische, denn Wale haben weder Kiemen noch legen sie Eier. Sie haben Lungen und bringen lebende Junge zur Welt, die sie mit Milch säugen: Wale sind lungenatmende Säugetiere. [Werner Heiligmann, Horst Janus und Helnut Länge, Das Tier, Biologie für Gymnasien, Band 1 (1965).]
Die Wale sind besonders stark spezialisierte, dem Wasserleben auf das vollkommenste angepaßte Säugetiere. Ihre Keimesgeschichte beweist die Abstammung von vierfüßigen, landlebenden Säugetieren. Die Walembryonen zeigen Anlagen von Hintergliedmaßen, haben einen Hals mit sieben freien Halswirbeln (bei erwachsenen Walen ist kein Hals vorhanden, die Halswirbel sind ganz oder teilweise verwachsen), weisen ein Haarkleid auf und besitzen noch den Riechnerv, Nasenmuscheln und Speicheldrüsen, die bei den erwachsenen Tieren alle rückgebildet sind. [Hermann Linder, Biologie, Lehrbuch für die Oberklassen der Höheren Schulen, 17., völlig neubearbeitete Auflage (1948/1971).]

Technik

2. Kaufen Sie eine Trittleiter. Es sind viele gute Marken, Größen und Arten zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Versuchen Sie es mal bei Home Depot mit der Adresse www.homedepot.com. Wollen Sie mehr Informationen über diese bahnbrechende Erfindung, rufen Sie die Website des amerikanischen Leiterinstituts unter der Adresse www.americanladderinstitute.org auf. [Michael Moore, Stupid White Men, Wie Frauen ohne Männer überleben (2002), aus dem Englischen von Michael Bayer, Helmut Dierlamm, Norbert Juraschitz, Heike Schlatterer.]
On my twentieth birthday, I bought myself an axe. This was the best gift I got in a decade. Before I saw it, shining on the wall of the hardware store like a lover made from steel and wood, I'd given up completely on the birthday celebration. [Aimee Bender, An Invisible Sign of My Own (2000).]
I watched as the bins emptied of supplies. I didn't buy anything myself, and when the people started to clear out, bags full, brimming with the particular happiness that comes from purchasing tools, I left the store and walked home. [Aimee Bender, An Invisible Sign of My Own (2000).]
Mit dem Fahrrad fuhrst du zum Baumarkt und kauftest Saat und verbilligte Stauden. Neben der Bibliothek war es dein liebster Ort, mehr noch als dort konnte man sich zwischen den Regalen verlieren, und der Geruch des Holzes barg Verheißungen, die denen, die in den Ausdünstungen seiner höchsten Verarbeitungsstufen lagen, nicht nachstanden. [Judith Zander, Johnny Ohneland (2020).]
Bronze bei Gold hörte die Hufeisen, stahlklingend. [James Joyce, Ulysses (1914), aus dem Englischen von Hans Wollschläger.]
Es ist absolut unmöglich, irgendwo in der Stadt zu schlafen. Der unaufhörliche Verkehr von Wagen in der Nachbarstraße genügt, um Tote aufzuwecken (Juvenal, römischer Dichter um 60 bis 130 n. Chr.) [Juvenal (Decimus Iunius Iuvenalis), Satiren (ca. 100 n. Chr.), aus dem Lateinischen von N.N..]

Unterwegs

Oma schenkt Conni eine kleine Handtasche und zwei Euro, weil sie jetzt ja schon so groß ist. Trotzdem sagt Oma beim Abschied zu Conni: »Und bleib immer schön bei Mama. Sonst gehst du noch verloren!« [Liane Schneider, Conni geht verloren (2013).]
¹³Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. ¹⁴Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten ¹⁵und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.« [N.N., Lutherbibel 2017, Matthäus 2,13-15 (2017), aus dem Hebräischen von Martin Luther, 1534.]
⁵Jesus kam nun heraus, den Dornenkranz tragend und den purpurroten Mantel, und Pilatus sprach zu ihnen: »Seht den Menschen!« [N.N., Die Heilige Schrift, Neues Testament, Johannes 19,5 (1962), aus dem Hebräischen von Prof. Dr. J. Kürzinger.]
»Du sollst keine Freude haben an irdischen Dingen!« sagte die alte Nonne und nahm den Vogel in die Hand. »Gehe fort von hier«, sie sah sie zürnend an, »gehe hin und nimm den Rosenkranz!« Darauf legte sie das Vögelchen auf die Erde; es war zu fest gedrückt und sein Flügelchen gebrochen; sie griff die Novize, die traurig hinsah, bei der Hand; die Kinder blieben zurück, eins sah das andere an. »Oh!« rief Gritta, »hier müssen wir fort!« »Wir wollen in die weite Welt ziehen«, meinten alle, »und Mermeta mitnehmen und sie zu ihrem Vater und ihrer Mutter bringen.« [Bettina unf Gisela von Arnim, Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns (1840).]
¹²Aber er harrte noch weitere sieben Tage und ließ die Taube ausfliegen; sie kam nicht wieder zu ihm. ¹³Im sechshundertundersten Jahr Noahs am ersten Tage des ersten Monats waren die Wasser vertrocknet auf Erden. Da tat Noah das Dach von der Arche und sah, dass der Erdboden trocken war. ¹⁴Und am siebenundzwanzigsten Tage des zweiten Monats war die Erde ganz trocken. [N.N., Lutherbibel 2017, 1. Mose 8,12-14 (2017), aus dem Hebräischen von Martin Luther, 1534.]
¹⁴Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. ¹⁵Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. ¹⁶Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! [N.N., Lutherbibel 2017, Johannes 20,14-16 (2017), aus dem Hebräischen von Martin Luther, 1534.]
Unten saß am Feuer, das lustig knisterte, Veronika und schaute zu dem Baum hinauf, in dessen Ästen Wildebeere saß. Kamilla hatte ihren goldblonden Kopf behaglich in Veronikas Schoß gelegt und schaute mit ihren blauen Augen, in denen sich das Feuer friedlich spiegelte, in die Tiefe der Blätter. »Wo sind die andern?« fragte Gritta. »Holz sammeln«, sagten sie. [Bettina unf Gisela von Arnim, Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns (1840).]
»Und eigentlich hab' ich die ganzen drei Wochen auf 'nem Omnibus gesessen und bin abends in die Matrosenkneipen an der Themse gegangen.« [Theodor Fontane, Der Stechlin (1897).]
Rex und Czako folgten in einem leichten Jagdwagen. Die beiden Schecken, kleine Shetländer, warfen ihre Mähnen. Daß man von einem Begräbnis kam, war dem Gefährt nicht recht anzusehen. [Theodor Fontane, Der Stechlin (1897).]
Und als sie ein Stück Wegs gefahren waren, hörte der Königssohn, daß es hinter ihm krachte, als wäre etwas zerbrochen. Da drehte er sich im und rief:
»Heinrich, der Wagen bricht.«
»Nein, Herr, der Wagen nicht,
es ist ein Band von meinem Herzen,
das da lag in großen Schmerzen,
als ihr in dem Brunnen saßt,
als ihr eine Fretsche (Frosch) wast (wart).«
[Brüder Grimm, Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (1815).]
Dort stand in einem Tempel ein uralter Wagen, der einst einem König gehört hatte; an seiner Deichsel war das Joch durch einen künstlich verschlungenen Knoten befestigt, und es ging die Sage, wer den Knoten lösen könne, dem sei die Herrschaft über ganz Asien bstimmt. Alexander begab sich sogleich in den Tempel und unternahm den Versuch, den Riemen aufzuknüpfen, nachdem er sich jedoch lange vergeblich bemüht hatte, zog er rasch entschlossen das Schwert und hieb ihn durch. [Wilhelm Pfeifer, Erzählungen aus Sage und Geschichte (1910).]
Aber Fräulein, fuhr Sir Lanzelot fort, ich will unter der Bedingung mit Euch reiten, daß ihr den Ritter Sir La Cote Male Taile nicht mehr schmäht, denn er ist ein tüchtiger Ritter und wird sich ohne Zweifel als sehr edel erweisen. Aus Liebe bin ich ihm gefolgt, um ihm in großer Not beizustehen, damit er nicht umkommt. Der Himmel danke Euch, erwiderte das Fräulein, und nun will ich Euch und auch ihm sagen, daß ich ihn nicht aus Haß geschmäht habe, sondern aus großer Liebe; denn ich glaubte immer, er sei zu jung und noch nicht stark genug für diese Abenteuer. Deshalb wollte ich ihn aus Angst um sein Leben zur Umkehr bewegen, denn kein junger Ritter wird dieses Abenteuer vollenden. Bei Gott, sagte Sir Lanzelot, das hört sich gut an, und wenn man Euch auch das Fräulein Maledisant heißt, will ich Euch doch Fräulein Bienpensant nennen. [Sir Thomas Malory, Die Geschichten von König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde (ca. 1450), aus dem Englischen von Helmut Findeisen.]
Der (König) hatte ihn sehr gern und bat ihn, etwas Abenteuerliches zu tun, er wolle ihm auch sein Pferd mit den allerbesten Hufbeschlag beschlagen lassen. Eulenspiegel fragte den König, ob er seinen Worten glauben könne. Der König bejahte das, wenn er nach seinen Worten täte. Da ritt Eulenspiegel mit seinem Pferd zum Goldschmied und ließ es sich mit goldenen Hufeisen und silbernen Nägeln beschlagen. [Hermann Bote, Till Eulenspiegel (1510).]
Ein Pfiff durch die Zähne und augenblicklich erhob sich ein Wirbelwind. Aber was für einer! Er fuhr durch die Wipfel und rüttelte an den Stämmen. Von allen Bäumen riß er die dürren Reiser ab. [Otfried Preußler, Die kleine Hexe (1957).]
Das ist, wenn es weit draußen in der Welt, sei's auf Island, sei's auf Java, zu rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird. Dann regt sich's auch hier, und ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in die Tiefe. [Theodor Fontane, Der Stechlin (1897).]
Man wähnt sich auf Hawaii, umringt von sanften, singenden Mädchen mit Blumenkränzen, und doch ist es nur die kleine Frieseninsel Baltrum, die ihre Ikone, Marianne aus Iserlohn, in allen Ehren begrüßt und verabschiedet. [Pia Frankenberg, Die Kellner & ich (1996).]
My Dad would sing it in the car when we were children. In my opinion most other people didn't seam to feel the real emotions of the song like he did. They'd blast it out until it blocked out the ghosts that were speaking. My father gave tender gentility to the song so that one could feel the ghosts. [Sinéad O'Connor, Sean-Nós Nua, about Molly Malone (2002).]
Wenn du so bist wie dein Lachen
Könnte ich ganz aus Verseh'n
Aus dir Erdbeerbowle machen
Mit dir reiten auf 'nem Drachen
Nach Hawaii zu braunen Feen
[Ina Deter, Wenn du so bist wie dein Lachen (1976).]
Da ist etwas mit den Tauen geschehen, man ruft dich, und du bist froh, daß man dich braucht. Das Beste ist die Arbeit auf den Schiffen, die weithin fahren, das Tauknüpfen, das Wasserschöpfen, das Wändedichten und das Hüten der Fracht. [Ingeborg Bachmann, Ausfahrt (1952).]
After they travelled half the distance to Molokaʻi, the two paddlers grew angry at him because all he did was sleep, while his pig squealed and squealed, and the cock kept crowing - ʻoʻoʻō. [S.N. Haleʻole, Lāʻieikawai (1863), aus dem Hawaiischen von Martha Warren Beckwith.]
As Kahalaomāpuana prepared for her journey to get her brother Kaʻōnohiokalā as a husband for Lāʻieikawai, she commanded her sisters to take good care of the Aliʻi Wahine. Then at sunrise, she went inside Kihanuiūlūmoku, and the moʻo nui swam across the ocean for four months and ten days until reaching Keʻalohilani (The Shining Heavens). [S.N. Haleʻole, Lāʻieikawai (1863), aus dem Hawaiischen von Martha Warren Beckwith.]

Zuhause

»Ich muß dir nämlich sagen, meine süße Effi« - und sie nahm ihres Kindes beide Hände -, »ich muß dir nämlich sagen ...« »Aber Mama, was hast du nur? Mir wird ja ganz angst und bange.« [Theodor Fontane, Effi Briest (1895).]
Sie nahm ihren Arm aus dem seinigen und hob sich auf die Fußspitzen, um ihm einen herzlichen Kuß zu geben. [Theodor Fontane, Effi Briest (1895).]
Effi gab ihm die Hand. »Ach, Sie dürfen so was nicht sagen. Wir Frauen sind gar nicht so schlecht.« [Theodor Fontane, Effi Briest (1895).]
Aber am andern Tage, als sie mit dem König und allen Hofleuten sich zur Tafel gesetzt hatte und von ihrem goldenen Tellerlein aß, da kam, plitsch platsch, plitsch platsch, etwas die Marmortreppe heraufgekrochen, und als es oben angelangt war, klopfte es an der Tür und rief: »Königstochter, jüngste, mach mir auf.« [Brüder Grimm, Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (1815).]
Und schon liefen die zwei Mädchen mit rauschenden Röcken durch das Vorzimmer - wie hatte sich die Schwester denn so schnell angezogen? - und rissen die Wohnungstüre auf. Man hörte gar nicht die Türe zuschlagen, sie hatten sie wohl offen gelassen, wie es in Wohnungen zu sein pflegt, in denen ein großes Unglück geschehen ist. [Franz Kafka, Die Verwandlung (1915).]
- ich wußte nicht, wie mir geschah, und alles will ich gern begreifen und lernen, was soll mir das schaden, aber diese Pappeln, diese Zeugen meiner frühesten Spielstunden, die mich als Kind von drei Jahren mit ihren Blüten beregneten, in die ich hinaufstaunte, als ob ihre Höhe in den Himmel reiche. Ach, was soll ich da dazu sgen, daß die als Stumpfe mit wenig Ästen noch versehen nebeneinanderstehen, gemeinsamen Schimpf und Leid tragend. - Ach, ihr Baumseelen, wer konnte euch das tun? - nun ziehen alle frühen Kindheitsmorgen an mir vorüber, wo ich ihre Wipfel von weitem im Gold glänzen sah, und daß sie mir winkten,ich soll mich eilen und kommen, und wie hab oft die jungen Blättchen betrachtet und keins abgebrochen je! - ach, es schneidet mir ins Herz - es war, als könnten sie nicht mehr sprechen, als sei ihnen die Zunge genommen, denn sie können ja nicht mehr rauschen. [Bettina von Arnim, Die Günderode (1840).]
Da keine Antwort erfolgte, begann eine Stimme: »Das vom wohlweisen Rat eingesetzte Gericht, nämlich Summa drei Vormünder, verlangten mit der Gräfin und Fräulein zu Rattenwege zu sprechen!« - »Ich spreche nur durch die Türe«, rief die helle Stimme der Gräfin. - »Selbmäßige Gräfin soll morgen mit ihren Herrn Vormündern, zeitjetzigen Herren, auf das ihr zur Wohnung angewiesene Schloß reisen, bis zu ihrer Mündigkeit dort verharren, auch sich nicht in dieser Zeit ohne derselben Willen vermählen, noch sonst etwas von dem tun, was diese für untunlich halten. In Folge dieses hat sich die Jungfrau Nesselkrautia Bollena Anna Maria Rattenweg, Gräfin, binnen heut und morgen früh zur bereitwilligen Fügung in alles, was rechtens, ihren Herren Vormündern zu stellen« - Hier endigte der Bierbaß des wahrscheinlich ältesten und dicksten, in seiner Allongeperücke schwitzenden Herrn Vormundes. - »Ich will nicht!« rief die Gräfin. [Bettina unf Gisela von Arnim, Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns (1840).]
Wir wohnen in einem gelben Haus in einer kleinen Straße, die heißt Krugmacherstraße. »Möglich, dass in alter Zeit Krugmacher in dieser Straße gewohnt haben, aber heutzutage wohnen hier nur Krachmacher«, sagt Papa. »Ich denke, wir taufen die Straße um und nennen sie die Krachmacherstraße«, sagt er. [Astrid Lindgren, Die Kinder aus der Krachmacherstraße (1957), aus dem Schwedischen von Thyra Dohrenburg.]
So kamen Beccy und ich über die geteerte Straße und über das letzte bisschen Marsch zum Gelben Haus. »Ist das unseres?« fragte sie. »Ja. Unseres. Es ist ein lustiges altes Haus.« [Jane Gardam, Robinsons Tochter (1985), aus dem Englischen von Hannelore Faden u. Helmut Viebrock.]
Dann klingelt's, ich geh nach vorne und mach die Tür auf, da steht diese Frau mit der knallroten Pudelmütze, nem blauen Overall und irgendwie so Hippieschals und diesem Hund ... [Helene Hegemann, Jage zwei Tiger (2013).]
In dem Augenblick, in dem ich alt genug war, Brettspiele zu spielen, verliebte ich mich in »Schlangen und Leitern«. O vollkommene Ausgewogenheit von Belohnung und Strafe! O scheinbar zufällige Wahl, vom fallenden Würfel getroffen! Leitern hinaufkletternd, Schlangen hinunterrutschend, verbrachte ich einige der glücklichsten Tage meines Lebens. [Salman Rushdie, Mitternachtskinder (1981), aus dem Englischen von Karin Graf.]
Ich mache Licht. Die Küche ist aufgeräumt und sauber, aber der Brotkasten ist leer; nur eine vertrocknete Brötchenhälfte liegt drin. Auch im Kühlschrank ist nicht viel: ein Rest Butter, eine Teewurst, eine angebrochene Flasche Cola. [Monika Seck-Agthe, Liebe ist was Großes (1988).]
Mrs. Donnelly bade the children be quiet and listen to Maria's song. Then she played the prelude and said 'Now, Maria! and Maria, blushing very much, began to sing in a tiny quavering voice. She sang I Dreamt that I Dwelt, and when she came to the second verse she sang again:

'I dreamt that I dwelt in marble halls
With vassels and serfs at my side,
And of all who assembled within those walls
That I was the hope and the pride.

I had riches too great to count, could boast
Of a high ancestral name,
But I also dreamt, which pleased me most,
That you loved me still the same.'

But no one tried to show her her mistake; and when she had ended her song Joe was very much moved. He said that there was no time like the long ago and no music for him like poor old Balfe, whatever other peoble might say; and his eyes filled up so mach with tears that he could not find what he was looking for and in the end he had to ask his wife to tell him where the corkscrew was. [James Joyce, Clay (Dubliners) (1914).]
While Lāʻieikawai was at Waiʻāpuka, a rainbow (anuenue) appeared there continuously, in rain and calm, in darkness and light. No one yet recognized the nature of this rainbow, but such chiefly signs (hōʻailona aliʻi) were always present at the place where the twins were cared for and protected. [S.N. Haleʻole, Lāʻieikawai (1863), aus dem Hawaiischen von Martha Warren Beckwith.]
Nachdem er seinem Gaul einen Namen, und zwar so sehr zu seiner Zufriedenheit, gegeben, wollte er sich auch selbst einen beilegen, und mit dem Gedanken verbrachte er wieder volle acht Tage; und zuletzt verfiel er darauf, sich Don Quixote zu nennen [...]. Jedoch, da er sich erinnerte, daß der tapfere Amadís sich nicht einfach damit begnügt hatte, ganz trocken Amadís zu heißen, sondern den Namen seines Königreichs und Vaterlands beifügte, um es berühmt zu machen, und sich Amadís von Gallien nannte, wollte er ebenso als ein guter Ritter seinem Namen den seiner Heimat beifügen und sich Don Quixote von der Mancha nennen; damit bezeichnete er nach seiner Meinung sein Geschlecht und Heimatland ganz lebenstreu und ehrte es hoch, indem er den Zunamen von ihm entlehnte. [Miguel de Cervantes Saavedra, Don Quixote (1615), aus dem Spanischen von Ludwig Braunfels.]